Der Verwaltung ein Gesicht geben

Die Mitarbeitenden der Stadtverwaltung Bergisch Gladbach entwickeln ihre Arbeitgebermarke

Einer Stadtverwaltung kann ich an vielen Stellen in meinem Leben begegnen. Wenn ich einen neuen Personalausweis brauche, eine Betreuung für mein Kind suche, wählen gehe und weiteres mehr.
Ich habe viele Berührungspunkte und dennoch streift es selten meinen Kopf, dass eine Stadtverwaltung doch auch ein interessanter Arbeitgeber sein kann, der mir vielfältige Job- und vor allem auch Veränderungsmöglichkeiten bietet. Zu angestaubt das Image, zu wenig sichtbar als potenzieller Arbeitgeber in der Außenwahrnehmung.
So dachte auch Stefanie Köllen. Dass sie heute bei der Stadtverwaltung tätig ist, liegt an der zufälligen Empfehlung einer Bekannten, die sie vor 15 Jahren auf die Möglichkeit, ein Studium bei der der Stadtverwaltung zu absolvieren, aufmerksam gemacht hat. „Vorher war mir die Stadt als Arbeitgeberin noch gar nicht so in den Sinn gekommen“, sagt Stefanie Köllen.
Köllen arbeitet im Personalbereich der Stadtverwaltung und hat gemeinsam mit ihren Kollegen den Entwicklungsprozess einer Arbeitgebermarke angestoßen.

Über den Prozess „Arbeitgebermarke“ und überraschende Erkenntnisse
„Ich hatte damit gerechnet, dass der ganze Prozess länger dauert. Im Verwaltungsbereich sind viele Gremien involviert, die es mitzunehmen und zu überzeugen gilt.“, sagt Stefanie Köllen. Am Ende ging es dann doch schneller. Die Stadt Bergisch Gladbach verliert in den nächsten 15 Jahren über 50% ihrer Belegschaft. Ein schlagendes Argument, das auch die Verwaltungsspitze und Politik überzeugt hat. Das Thema war überfällig. Dazu kam ein gutes Zusammenspiel aller Beteiligten und der Bürgermeister sowie die Mehrheit der Mitarbeitenden standen von Anfang an hinter dem Vorhaben.

Ziele des Prozesses „Arbeitgebermarke“

Diese Ziele will die Stadt Bergisch Gladbach mit der Entwicklung einer Arbeitgebermarke erreichen:

  • Sichtbar werden als Arbeitgeberin.
  • Zeigen, welche Vorteile die Stadt Bergisch Gladbach als Arbeitgeberin bietet. Insbesondere wie vielfältig die Arbeitsplätze bei der Stadt sind, und man innerhalb dieser Bereiche/Aufgaben auch wechseln kann.
  • Bestehendes Personal binden sowie neues Personal finden.
  • Leistungsfähig bleiben – auch in der Zukunft.

Warum machen wir das, fragten die vorhandenen Mitarbeitenden? „Wir wollen neues Personal finden für eure Teams.“ Diese Botschaft kam an und war ein wichtiger Baustein, dass die Leute mitgezogen haben.

Bereits 2018 fiel der Startschuss. Es gab einen Workshop, bei dem Alleinstellungsmerkmale und Werte der Stadtverwaltung herausgearbeitet wurden. Die anfängliche Diskussion über Fehler und Verbesserungspotentiale veränderte sich, als die Frage im Raum stand „Warum arbeitet man dennoch bei der Stadt, trotz aller Punkte, die besser sein könnten? Ja, berechtigte Frage, die sich lohnt zu stellen.

Denn dann passiert manchmal etwas, was auch langjährige Paare auf der Suche nach ihrer verloren geglaubten Liebe entdecken, wenn sie sich gegenseitig erzählen, warum sie sich seinerzeit ineinander verliebt haben und was sie am anderen schätzen. Ich verändere den Blickwinkel und erlaube den positiven Aspekten sich zu zeigen.

„Es hat unglaublich gutgetan, einmal bewusst über das Positive seines Arbeitsplatzes zu sprechen“, erinnert sich Köllen. „Natürlich gibt es vieles zu verbessern bei uns. Und es gibt auch kritische Stimmen, keine Frage. Das gehört dazu und darf seinen Platz haben. Doch das hindert nicht daran zu schauen, was auch gut ist.“

Die Ergebnisse der Workshops lieferten viele Argumente für die Stadtverwaltung Bergisch Gladbach als Arbeitgeberin. Diese wurden schließlich in die neue Landingpage integriert.

Der nächste Schritt

„Von Anfang an externe Beratung hinzuzuziehen war eine sehr gute Entscheidung“, blickt Stefanie Köllen zurück. Vom zeitlichen Aufwand und dem benötigten Know-how hätte es sonst in der Geschwindigkeit nicht geklappt. Jetzt ging es darum, die Ergebnisse des Workshops in eine Kampagne umzusetzen. Welche Emotionen wollen wir vermitteln? Was verbinden Mitarbeitende mit ihrer Arbeit? Das war gar nicht so leicht herauszufiltern und dabei war die professionelle Unterstützung unglaublich hilfreich.

Herausgekommen sind Emotionen wie Sicherheit, Fürsorge, Gemeinwohl und auch Stolz. Stolz, weil jeder seinen Teil für die Stadt und die Bürgerinnen und Bürger beiträgt.

Dieser Prozess hat viele Beschäftigte zum Nachdenken gebracht. An verschiedenen Stellen in der Verwaltung hat dies Reflektionsprozesse losgetreten, die auch dazu beitragen können, dass mehr Mitarbeiterbindung entstehen kann.

Der Claim „Mit.Wirkung“ soll diese Emotionen auf den Punkt bringen. Ein Zweiklang, der sich auf allen Motiven der Kampagne wiederfindet. Wichtig war vor allem, dass sich die Mehrheit der Beschäftigten damit identifizieren kann.

  • Mit.Wirkung – alles was wir tun hat eine Wirkung nach außen
  • Mit.Wirkung – jeder Mitarbeitende kann mitwirken, jeder kann die Stadt und seine Arbeit mitgestalten

Weiter geht’s! Wie stellen wir den Claim und die Emotionen in Bildern dar? Und wie gewinnen wir die Mitarbeitenden bei Fotos und Video mitzumachen? Denn eins war klar, „echte“ Gesichter sollten die Kampagne tragen. Es ist Frühjahr 2020, Corona voll in der Realität angekommen, eine Infoveranstaltung nicht machbar. Wie also an die Frau und den Mann kommen?

Kurzerhand kam die Idee, die Kolleginnen und Kollegen mit einem emotionalen Video anzusprechen. Im Video haben Stefanie Köllen und ihre Vorgesetze erklärt, was sie vorhaben, worum es geht, warum das wichtig ist und welchen Nutzen das für alle hat. Auch der Bürgermeister hat sich im Video eingebracht und zum Mitmachen aufgerufen.

„Rückblickend war dieses Video die beste Entscheidung“ sagt Köllen. „So haben wir viel mehr Leute erreicht. Jeder konnte es sich anschauen, wenn Zeit war. Wir haben viel positives Feedback darauf bekommen.“ Es kam sogar mehrfach der Vorschlag, solche Videos häufiger als Kommunikationsmöglichkeit zu nutzen.

Und dann war es letztlich einfacher als gedacht. Auf das Video kamen ausreichend Rückmeldungen von Mitarbeitenden, die mitmachen wollten.

Der Imagefilm

Es ist Sommer 2020, Casting der Mitarbeitenden. Was für Motive können wir uns vorstellen, was wollen wir zeigen? Viele Ideen wurden miteinander diskutiert. Drehbuch schreiben für den Imagefilm. Zwei Tage waren für den Dreh angesetzt. Sehr viele Dinge mussten organisiert werden, damit alles auf den Punkt klappen konnte. Und das hat es dann auch.

Stefanie Köllen hat sich unglaublich über die Bereitschaft ihrer Kolleginnen und Kollegen gefreut, dieses Vorhaben zu unterstützen. Viele waren aufgrund von Corona sehr gefordert und haben sich dennoch Zeit für den Dreh genommen.

Wer selber schauen möchte, was dabei herausgekommen ist, findet das Video auf der Website „Arbeiten für Bergisch Gladbach“.
Dann war es soweit und das Ergebnis der Kampagne konnte auf Großflächenplakaten, auf Plakaten an Bushaltestellen sowie Straßenlaternen bestaunt werden. Natürlich wurde die Kampagne auch über die Sozialen Medien sowie Pressearbeit bekannt gemacht.

Jetzt ist vor allem wichtig: Dranbleiben! Es soll auf jeden Fall weitergehen und erste Ideen, wie zum Beispiel die Fokussierung auf bestimmte Bereiche, in denen die Fachkräftesicherung besonders drückt oder auch der Ausbildungsbereich, werden konkret.

Tipps für die Entwicklung einer Arbeitgebermarke von Stefanie Köllen
  • Auf keinen Fall glauben, dass ich das nebenbei machen kann. Es erfordert einen hohen Zeitaufwand.
  • Es macht Sinn, sich externe Unterstützung zu holen.
  • Sich Zeit geben, alles Wichtige zu durch- und überdenken.
  • Vermitteln: „Warum machen wird das?“ Aufzeigen, welchen Nutzen die Mitarbeitenden davon haben.
  • Früh genug interne Gremien bzw. Abteilungen ins Boot holen. Sich Unterstützer im eigenen Haus suchen, Zugpferde sind wichtig.
  • Das Allerwichtigste aber: Interne Kommunikation! Immer wieder und kontinuierlich.