Sie lieben es, wenn ein Plan funktioniert

Normalerweise ist sein Job ein anderer. Er sorgt dafür, dass der HR-Bereich im Unternehmen rund läuft. An diesem Donnerstag im Juli ist das jedoch nicht so. Da macht er etwas völlig anderes. Im passenden Outfit, einem T-Shirt mit der Aufschrift „The vaccinator“, managt Michael Witzel, HR-Leiter des IT-Unternehmens gicom AG aus Overath, die zweite betriebseigene Impfaktion für die Mitarbeitenden und deren Lebenspartner.

Wie kam es dazu? Wir spulen zurück und erinnern uns: Irgendwann im Frühjahr 2021 war klar, auch Betriebsärzte werden in die Corona-Impfaktion eingebunden und sollen Impfstoff erhalten. So die Theorie. In der Praxis wurde schnell klar, mit dem betriebsärztlichen Zentrum, mit dem die gicom kooperiert, wird es nicht klappen, ausreichend Impfstoff für die 80-köpfige Belegschaft zu bekommen. Das war keine Antwort, die Hans Jakob Reuter, einer der beiden Geschäftsführer der gicom, zufriedenstellte. Wild entschlossen hat er sich kurzerhand zum Thema Impfen und Impfstoffbestellung schlau gemacht, sein Netzwerk aktiviert und viele Gespräche geführt. Fündig geworden ist der leidenschaftliche Hobbyflieger bei seinem befreundeten „Fliegerarzt“, der gleichzeitig auch Betriebsarzt ist. Reuter war inzwischen also bestens informiert, was die Bestellung des Impfstoffs betraf. Jetzt hatte er zusätzlich einen Betriebsarzt. Also haben die beiden eine Bestellung losgetreten. Der Plan ging auf.

Ärmel hochgekrempelt und ran ans Impfen

Zu dritt haben sie sich zusammengesetzt und überlegt, wie sie die Impfaktion im Betrieb umsetzen können. Hans Jakob Reuter, der Betriebsarzt sowie HR-Leiter Michael Witzel.

3 Leute, ein Team, ein Plan. Zusätzlich wurden noch zwei Fachleute hinzugezogen, die die eigentliche Impfung übernehmen, damit dem Betriebsarzt ausreichend Zeit für die Aufklärungsgespräche in Sachen Impfung bleibt.

Im 2. Obergeschoss des Betriebs entstand ein eigenes kleines Impfzentrum inklusive Anmeldung, zwei Wartebereichen und einem Impfbereich. Die dualen Studenten der gicom waren im Zuge der Impfaktion „Anmelder“, Excel-Listen-Ausfüller“ für das Robert-Koch-Institut, „Impfbuchschreiber“ und haben ganz einfach den kompletten organisatorischen Ablauf dieser Aktion unter dem Kommando von „The vaccinator“ aka Michael Witzel gerockt. Bestens versorgt waren alle Leute auch noch mit selbstgebackenem Kuchen und Muffins.

Zweieinhalb Stunden später – über 50 Leute sind geimpft. Sie lieben es, wenn ein Plan funktioniert.

Die beste Aktion, die wir hätten machen können

Sie haben bereits sehr frühzeitig im Unternehmen bekannt gegeben, dass sie eine solche Impfaktion im Betrieb planen. Gegen Ende Mai war klar, es klappt. Zu diesem Zeitpunkt wurde diese Info von Seiten der Mitarbeitenden sehr positiv aufgenommen. Von etlichen Leuten aus dem Team kamen persönliche E-Mails als Rückmeldung an Hans Jakob Reuter auf diese Aktion. Natürlich schwingt da auch ein wenig Stolz mit, dass so etwas im eigenen Betrieb klappt und man als Mitarbeitender sogar die Möglichkeit hat, Lebenspartner oder auch den Bruder bzw. die Schwester zum Impfen mitzubringen.

Für Michael Witzel war klar, dass er sich bei so einer Sache voll einbringt. Sein Herz schlägt für das Thema Personal und für das Team. Für ihn spielt der Fürsorgeaspekt eine große Rolle. Man weiß, wofür man das macht. Zum anderen sagt er, „ist es die beste Aktion, die wir hätten machen können“. Auch in Sachen Employer Branding, ganz klar. Es ist schön zu sehen, welche Wirkung eine solche Aktion im Inneren des Unternehmens entfaltet. Und was im Inneren entsteht, zeigt sich nach außen.

Erfahrungen in Pandemiezeiten: 100% Mobile Office – das funktioniert nicht

Was hat das Unternehmen im letzten Jahr noch so bewegt im Inneren? Rückblickend war es gut, dass sie im Unternehmen das Thema mobiles Arbeiten nochmal in einer ganz anderen Dimension kennengelernt und erfahren haben.

Inzwischen wurden diese Erfahrungen in die interne Arbeitsorganisation überführt: Das sieht konkret so aus, dass es im Bereich „Consulting“ keine Präsenzpflicht mehr gibt. Im Bereich „Entwicklung“ wird an zwei Tagen in der Woche im Büro gearbeitet, die restlichen drei Tage können die Leute mobil, d. h. an einem Ort ihrer Wahl, arbeiten. Ja, es hat ein Umdenken im Betrieb stattgefunden. Das bejaht Michael Witzel eindeutig. Dennoch bleibt dem Team arbeiten vor Ort im Unternehmen wichtig. Der Wunsch nach einem Hybrid-Modell, d. h. einem Wechsel aus mobiler Arbeit und Büroarbeit, kam aus dem Team selber. Die Menschen brauchen den Kontakt und sie wollen ihn auch.
Bei aller Freude über vermehrte Möglichkeiten flexiblen Arbeitens haben sie schnell miteinander realisiert: 100% Mobile Office – das funktioniert nicht. Der Zusammenhalt ging verloren. Man hatte auf einmal nur noch mit den Leuten zu tun, mit denen man unmittelbar zusammenarbeitete. Es fehlte etwas. In diesem Zusammenhang wurde ganz klar Leidensdruck von Mitarbeiterseite geäußert, sagt Witzel.

So wurde zum Beispiel das „town hall meeting“ ins Leben gerufen, das alle zwei Wochen stattfindet. Immer größerer Beliebtheit erfreut sich inzwischen auch die „Lunchbreak-Lotterie“, die einmal pro Monat ausgerufen wird. Jeder, der mitmachen will, gibt seinen Namen in den Topf und wird mit einem anderen Mitarbeitenden für ein „Blind-Date“ zufällig zusammen gelost.

Zukunftsausblicke

Das Thema Pandemie wird uns noch beschäftigen, da ist sich Michael Witzel sicher. Daher haben sie sich auch so ihre Gedanken gemacht und Konzepte erarbeitet. Sie wollen die Chancen nutzen, die sie für das Unternehmen sehen, wie zum Beispiel das ganze Thema mobiles Arbeiten.

Deswegen sieht er der Zukunft auch eher gespannt als besorgt entgegen. Unterm Strich gehen wir sehr positiv aus den letzten anderthalb Jahren raus, findet er. Durch die Transformation der Arbeitsorganisation kann er nun reine Home-Office-Verträge anbieten, wodurch ihm als HR-Leiter in manchen Bereichen eine deutschlandweite Rekrutierung offensteht. Für die, in Sachen Fachkräfte, gebeutelte IT-Branche ein Lichtblick.

Manchmal fühlt es sich so an, findet er, als sei bei uns ein Knoten geplatzt und auf einmal entstehen ganz andere Möglichkeiten.